Anfang November 2000 mussten wir unsere wunderbare und heißgeliebte Berner Sennenhündin Bonny schweren Herzens gehen lassen. Sie kam mit 4,5 Monaten zu uns und war Zeit ihres Lebens infolge eines ererbten Gendefektes sehr krank. Sie war trotzdem ein lebensfroher Hund, sehr geduldig und immer ein treuer Begleiter. Im Laufe ihres Lebens musste sie allerdings viele starke Medikamente verabreicht bekommen. Ende Oktober 2000 versagten ihre Nieren. Trotz Intensivmedizin, Infusionen und mehrerer Dialyse-Behandlungen nahmen ihre kranken Nieren ihre Arbeit nicht wieder auf, zudem war ihr Herz schwer geschädigt. Wir entschlossen uns dann am 07.11.2000, Bonny mithilfe des TA ruhig einschlafen zu lassen. Ihre letzten Blicke werden wir nie vergessen. Sie wird für immer in unseren Herzen bleiben. Bonny ist 9 Jahre alt geworden.
Bonny 1992 - da war sie 6 Monate alt
Für uns stand fest: Wir wollten wieder einen Berner. Also machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Züchter. Leider waren in unserer näheren Umgebung gerade keine Welpen, auch wurden in absehbarer Zeit keine Würfe erwartet. Die Züchterin von der unsere Bonny stammte, hatte mittlerweile aus persönlichen Gründen die Zucht aufgegeben. Im Internet stießen wir dann auf die HP eines Züchters. Und zufällig hatte er 5 abgabefähige Berner-Welpen. Am gleichen Abend noch riefen wir bei ihm an. Ja, bestätigte er uns, es seien noch 3 Welpen da - 2 Mädchen, 1 Junge. Der Junge sei allerdings reserviert. Da für uns ohnehin nur eine Hündin infrage kam, machten wir für den nächsten Tag - ein Sonntag - einen Termin. Sonntag morgen machten wir uns auf den Weg nach Castrop-Rauxel, mit Trauer im Herzen und dennoch hoffnungsvoll. Nach einigen 100 Kilometern Fahrt trafen wir gegen Mittag auf dem Hof des Züchters ein. Wir wurden zu einem eingezäunten Freilauf geführt, mit 2 oder 3 kleinen Häuschen, ausgestattet mit Stroh und einer Wärmelampe. Alles war sauber und gepflegt. In einem Häuschen waren "unsere" Berner untergebracht, in einem anderen eine kleine Meute Beagle. Die Mutter der Bernerwelpen war in einem sichtlich schlechten Zustand. Das hinge mit dem Stress der Geburt und den anstrengenden Welpen zusammen, erklärte uns der Züchter auf Nachfrage. Zwischenzeitlich traf noch ein Paar ein, sie kamen aus der Nähe von München und interessierten sich für ein Beaglekind. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns, das kleine Berner-Mädchen mitzunehmen, wer kann so einem süssen Knäuel schon widerstehen?
Die ersten Wochen mit unserer Andra verliefen ganz normal, eine erste Untersuchung durch unseren TA ergab nichts Wesentliches. Sie wurde wie vorgeschrieben geimpft und entwurmt. Dann allerdings, im Alter zwischen 4 und 5 Monaten, fielen uns verschiedene Dinge auf: Ein leicht schlurfender Gang, zeitweises Humpeln hinten rechts, rote Bindehäute in den Augen, Geruch aus den Ohren. Später dann kam noch hinzu, dass sie nach dem Schlafen ihr Hinterteil nicht mehr hoch bekam und kaum weiter als 10 Meter gehen konnte. Die dann folgenden tierärztlichen Untersuchungen endeten mit einem niederschmetternden Ergebnis: Schwere Deformierungen beider Hüftgelenke, erhöhte Leukozyten im Blut, bei den Augen und Ohren war man sich noch nicht sicher. Zu diesem Zeitpunkt war Andra 5 Monate alt.
Nach diesem Ergebnis telefonierten wir mit dem Züchter. Seine Reaktion: Das hätte es ja bei ihm noch nie gegeben, er könne sich das überhaupt nicht erklären, alle anderen Tiere seien kerngesund. Bei einem 2. Telefonat erklärte er uns: Bevor wir eine teure OP veranlassen würden, sollten wir den Hund doch wieder zu ihm zurück bringen. Geld erstatten würde er uns nicht, wir hättenschließlich einen rechtsverbindlichen Kaufvertrag mit Ausschluss aller später auftretenden Mängel abgeschlossen. Bei späteren Anrufen ließ er sich verleugnen, auf diverse e-mails antwortete er nicht.
Eine Rückgabe unserer Andra kam für uns überhaupt nicht infrage, also berieten wir uns mit unserem TA. Er schlug uns eine sehr aufwändige OP vor, die aber in diesem jungen Alter sehr erfolgversprechend sei. Laienhaft erklärt hieß das: Andras Hüfte sollte an mehreren Stellen zersägt werden, Fehlstellungen und Deformierungen behoben und dann mit Metallplatten und -schrauben wieder in die anatomisch richtige Lage gebracht werden. Die OP müsste bis zum spätestens 8. Monat durchgeführt werden, da auf das natürliche Wachstum der Gelenke und Knochen gesetzt wird. Einen Nachteil hat sie allerdings, oder besser zwei: Nach einem halben Jahr müssen die Metalle wieder entfernt werden und sieist sehr teuer.
Aber egal, wir wollten das für Andra machen. Der schlechte Gesundheitszustand unserer Andra machte uns aber einen Strich durch die Rechnung. Ständige Entzündungen an Augen und Ohren und ein völlig geschwächtes Immunsystem machten es unmöglich, die OP durchzuführen. In der Tierklinik befürchtete man schwere Risiken während und nach der OP. Als Andra dann 8 Monate alt war, riet man uns, sie einschläfern zu lassen, man könne nichts mehr für sie tun.
Während dieser Zeit haben wir nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei HD gesucht. Dabei fielen uns die guten Erfolge einer Goldimplantation auf. Wir suchten uns einen TA in unserer Stadt aus, der Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode hatte und stellten ihm unsere Andra vor.
Die schwere Behinderung an der Hüfte war offensichtlich, zwischenzeitlich hatte sich noch eine kahle Stelle unter dem linken Auge gebildet, es folgtenmehrere Blutuntersuchungen. Zur Behandlung der kranken Augen und Ohren bekam sie Salben und Antibiotika und um ihren schlechten Allgemeinzustand zu verbessern, ein stärkendes Aufbaupräparat. Wir vereinbarten, dass Andra mit 12 Monaten noch einmal geröntgt und dann, je nach Befund, Goldimplantate in die Hüfte gesetzt werden sollten. Wir hielten Andra dann mit Hilfe der Medikamente bis zum vereinbarten Termin über Wasser.
Ende August 2001 war es soweit, sie war knapp 1 Jahr alt. Sie bekam eine leichte Narkose, wurde geröntgt, von der kahlen Stelle unterhalb des Auges wurde ein Hautgeschabsel entnommen, um es mikroskopisch untersuchen zu lassen. Anschließend wurden beidseitig Goldimplantate an die entsprechenden Gelenkstellen gespritzt. Nach ca. 1,5 Stunden stand Andra wieder auf ihren Beinen und wir konnten sie mit nach Hause nehmen. Anfänglich verschlechterte sich ihr Zustand noch. Das hatte der TA uns aber vorher schon gesagt, trotzdem war es eine schlimme Zeit, so zwischen Hoffen und Bangen. Dann noch der Befund der mikroskopischen Untersuchung des Hautgeschabsels: Demodikose. Aufgrund ihres, erblich bedingten, instabilen Immunsystems hatte sich in Andras Gesicht die Demodex-Milbe breit gemacht.
Wir bekamen eine Lotion und mussten mehrmals täglich die betreffenden Hautstellen abtupfen. Ausserdem mussten wir peinlich genau darauf achten, sie flohfrei zu halten. Von da an erhielt sie alle 4 Wochen eine Injektion zur Immunstimulation.
Ca. 10 Wochen nach Einsetzen der Goldimplantate war Andra beschwerdefrei, nur eine leichte Fehlstellung des rechten Hinterbeines ist geblieben. Die kahlen Hautstellen im Gesicht waren kaum noch zu sehen. Augen und Ohren hatten sich erheblich verbessert, bedurften aber der besonderen Pflege.
Andra war ein springlebendiges Berner-Mädchen, kinderfreundlich und auch unseren Katzen wohlgesonnen. All die Mühen, Sorgen, Zweifel und schlaflosen Nächte hat Andra tausendfach mit ihrer dankbaren Liebe zurück gegeben - es hat sich gelohnt.
Im Frühjahr 2007 wurde bei Andra eine Herzmuskelerkrankung festgestellt. Auch bei dieser Erkrankung wird eine erbliche Veranlagung angenommen, eine Heilung war ausgeschlosssen. Andra war kurzatmig geworden und nicht mehr so belastbar, dennoch war sie noch lebenslustig und verspielt. Im Sommer 2007 kamen noch weitere massive gesundheitliche Probleme dazu und im Oktober 2007 ist bei einem Kontrollultraschall festgestellt worden, dass die Herzerkrankung trotz der Medikamente noch weiter fortgeschritten war.
Anfang 2008 nahmen Andra´s gesundheitliche Probleme derart zu, dass wir an einer tierärztlichen Hochschule umfangreiche Untersuchungen durchführen ließen. Das niederschmetternde Ergebnis: Verdacht auf ein Plasmozytom, eine seltene Form des Blutkrebses beim Hund, hervorgerufen durch eine entartete Zelle im Knochenmark.
Um Andra weitere schmerzhafte Untersuchungen und die anschließende, Monate dauernde, Chemotherapie zu ersparen, haben wir sie am 19. Januar 2008 durch unseren Tierarzt erlösen lassen.
An diesem Tag haben wir mit ihr nochmal alle Plätze besucht, die sie so liebte. Mit Hilfe unseres Tierarztes ist sie am Abend dann friedlich in unseren Armen eingeschlafen.
Fast wäre es unserer Andra so ergangen wie Lea - die Geschichte könnt ihr auf der nächsten Seite nachlesen!